Chronik der Wasserversorgung

1) Wasser aus der Aschach

Als 1802 die Pfälzer einwanderten holten sie ihr Wasser aus der Aschach. Da kurz darauf viele Pferde starben, gab man dem Wasser die  Schuld und forderte, dass auch im Unterdorf (Großkarolinenfeld Nord) Brunnen gegraben werden, ähnlich wie dies im Oberdorf (Großkarolinenfeld Süd) bereits geschehen war.

2) Wasser aus Brunnen

Im Oberdorf stand also 1802 bereits ein Brunnen und im Unterdorf wurden 1803 zwei Brunnen gebaut. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr, sodass davon ausgegangen werden kann. Dass vor Einführung der Wasserleitung jeder Bauer seinen eigenen Brunnen hatte. Im Unterdorf mit seinem Filzengrund waren sie meist 3 -4 Meter tief. Dagegen waren sie im Oberdorf wegen des lehmigen Grundes, mit sechs bis acht Metern etwa doppelt so tief. Gefördert wurde hier kein Quell- sondern Sickerwasser. Die Brunnen waren rundum mit Ziegeln ausgelegt aber nicht vermörtelt, denn das Wasser sollte durch den Ziegeln durchsickern können. Am Grund war Kies aufgeschüttet, vielfach wurde auch ein Holzgrill eingelegt. Die Brunnen waren oben mit Holz abgedeckt. Durch ein Loch ließ man den Eimer an einem Strick hinab oder man holte das Wasser mit einem Schöpfer herauf. In den heißen Sommermonaten konnte es durchaus vorkommen, dass manche Brunnen versickerten, dann ging man eben zu einem Nachbarn, der einen besseren Brunnen hatte.

In fast allen Bauernhöfen standen damals Holzpumpen, die vom Brunnenbauer Andreas Schaber aus Rott angefertigt wurden. Sie waren beleibter als die handelsüblichen eisernen Brunnen.

Vielfach wurden bei Einführung der Wasserleitung die Brunnenlöcher aufgefüllt oder nur verdeckt.

3) Die Wasserleitung der Eisenbahn

Bereits um 1910 hatte die Eisenbahn eine eigenen Wasserleitung (50 mm) an dem die einzelnen Häuser in der Umgebung des Bahnhofes (evangelisches Pfarrhaus) angeschlossen waren. Es hatte einen besonderen Grund warum die Eisenbahn eine Wasserleitung verlegte. Nördlich von der Eisenbahnüberführung bei Vogl, in der Nähe von Hohenaich und Gutmart war der Bahngrund gerne nass und weich. Zur Sicherung des Bahnkörpers wurde deshalb das Wasser abgeleitet, in Vogl gesammelt und dort mit Kies gefiltert. Eine 50 mm Leitung brachte das gute Wasser entlang des  ahnkörpers nach Großkarolinenfeld. Der Filterkies wurde von Eisenbahnarbeitern alle 8 Tage gereinigt.

4) Anschluss der Gemeinde an die Eisenbahnwasserleitung

1927 traf die Bahn mit der Gemeinde ein Abkommen über die gemeinsame Ausnützung des Wassers nördlich von Vogl. Westlich des Bahnkörpers, zwischen Hohenaich und Gutmart wurde ein 12 m tiefer Brunnen mit Hebepumpe gebaut und das sehr saubere Wasser in 2 Kammern (Reservebehälter) gesammelt. Von anderen Quellen bei Hohenaich, östlich des Bahnkörpers kamen noch Zuleitungen.
Das Wasser lief im natürlichen Gefälle in einer 80 mm Leitung am Bahnkörper entlang nach Großkarolinenfeld. In der Nähe der Bahnunterführung war der Verteiler für die Gemeinde. Ein Strang lief ins Oberdorf der andere ins Unterdorf. Den Anschluss an die einzelnen Häuser schafften die Bauern selbst.

Aber schon 1933 gab es mit der Wasserversorgung Schwierigkeiten. Während des 2.Weltkrieges wuchsen diese Schwierigkeiten weiter. Das Wasser musste 2-3-mal täglich gebietsweise abgesperrt werden, um die Versorgten der anderen Gebiete einigermaßen zufriedenzustellen. Damals versorgten sich viele Häuser wieder aus ihren Brunnen. Die Sekunden-Leistung der Bahnwasserleitung belief sich am Schluss nur noch auf ¾ l/sec.

5) Ein neuer Plan

Aufgrund der Gutachten und Beratungen der zuständigen Geologen kam in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg der damalige Bürgermeister August Fischer auf den Gedanken, den Wasserbrunnen dort zu suchen , wo die Schichten in natürlicher Weise im Osten des Ortes an der Innleite auslaufen. Man dachte an einen Tiefbrunnen zwischen Deutelhausen und Wernhardsberg, etwa bei Moos. Wasser war dort genügend vorhanden. Der Plan ging dahin, das Wasser mit einer Pumpe auf die Höhe der Innleiten zu pumpen und mit einer 2. Pumpe den nötigen Druck für das Ortsnetz zu erzeugen.

Nach dem Österreicheinmarsch 1938 standen der Gemeinde für solche Aufgaben keine Gelder mehr zur Verfügung und während des Krieges natürlich erst recht nicht, so zerschlug sich dieser Plan.

Nach dem Krieg unter anderen politischen Verhältnissen wurde auf diesen Plan nicht mehr zurückgegriffen.

6) 1946 eine neue Wasserleitung (Waschbrunnquelle)

Nach dem Krieg waren zahlreiche Amerikaner im Ortsbereich stationiert. Die Wasserversorgung wirkte sich doppelt misslich aus. So musste z.B. ein Füchtlingstransport vom damaligen Bürgermeister Schmid wegen der Wasserknappheit notgedrungen nach Bad Aibling umgeleitet werden. Die Gemeinde ging mit viel Energie daran eine neue Wasserleitung herzustellen. In dieser unruhigen und unsteten Nachkriegszeit, in der alles und nichts möglich war, gehörte viel Schläue und Zähigkeit dazu, ein solches Ziel zu erreichen.
Natürlich ging es nicht ohne Beziehungen und ohne sogenannte „Schwarzgeschäfte“. Aber für das hohe Ziel war jedes Mittel recht. Der Gemeinde kam sehr zugute, dass ein gewisser Ing. Stimmelmeier für den Bau der Wasserleitung gewonnen werden konnte. Er war der richtige Fachmann. Mit seiner und der Amerikaner Hilfe gelangen viele notwendige Einkäufe. Im Dorf wurden 40.000 Reichsmark zusammen gesammelt. Man veranschlagte einen Wasseranteil auf 200 Reichsmark. Ein kleiner Bauer hatte z. B. 450 Reichsmark zu zahlen. Besonders schwierig war es an Rohre zu kommen. Über viele Stationen gelang es schließlich, 150 mm Rohre vom Munitionslager in Kraiburg zugewiesen zu bekommen. Auch das Geschäft des Abholens ging nicht ganz reibungslos von statten. Aus dem Saargebiet kamen 2.000 m 150er Rohre. Davon wurden 1.000 m in 100 mm Rohre umgetauscht, da die Anwohner der Rosenheimer Straße keine 150er Rohre wollten.

Als Wasserquelle baute man die Waschbrunnquelle bei den Kiesgruben von Harthausen aus. Das Wasser war einwandfrei und es ähnelte in der Beschaffenheit auffallend dem Münchner Wasser. Das Gelände um die Waschbrunnquelle wurde aufgekauft, aber es gelang nicht ein Wasserschutzgebiet dort zu errichten. Die Waschbrunnquelle bei den Bauernhöfen Waschbrunn ist auch die Quelle der Aschach. Die Quelle hatte ursprünglich eine Wasserausschüttung von 10-12 Liter /sec. Mit natürlichem Gefälle kam das Wasser in 150 mm Rohren zum Pumphaus an der Aschach innerhalb der Ortschaft. Über Druckkessel wird das Wasser in die Zuleitungen zu den einzelnen Häusern gepumpt. Als Druckkessel benütze man 6 Lufttorpedos.

Am 1. November 1946 lief das erste Wasser in der neuen Leitung.

1946 Verbesserungen an der Wasserversorgung

Wieder gab es Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Die Waschbrunnquelle ging in ihrer Leistung zurück. Sie sank auf 5 l/sec und darunter ab. Der Wasserverbrauch wurde durch den Zuzug immer stärker. Man überprüfte die Leitungen auf schadhafte Stellen und führte 1963 Wasseruhren ein. An Stelle der 6 Luftminenkessel wurden 2 Druckkessel mit je 5 m³ Inhalt eingebaut. Dazu kamen 2 Pumpen mit Motoren. Im Keller des Pumphauses wurde ein 8,6 m³ großer Vorlaufbehälter eingebaut. Die Kosten im Jahre 1964 beliefen sich auf 45.000 DM.

7 )Die neue Wasserversorgung im Zellerwald 1968

Die Schwierigkeiten mit der Waschbrunnquelle mit dem Rückgang der sec/L Leistung veranlasste die Gemeinde, sich um eine neue Wasserquelle umzusehen. Ca. 500 m Nordnordwest der Waschbrunnquelle im Zellerwald nahe einer bereits früher gekauften Wasserquelle soll ein Tiefbrunnen entstehen. Dieser Tiefbrunnen verspricht eine bessere Wasserversorgung. Durch teilweisen Ankauf des Zellerwaldes und durch die günstige Lage des Tiefbrunns entstehen keine Schwierigkeiten bei der Errichtung eines Wasserschutzgebietes. Ein kleines Brunnenhaus mit Pumpe bringt das Wasser vom Tiefbrunnen zur bereits bestehenden Wasserleitung an der Aschach.

Die Waschbrunnquelle wurde ausgeschalten.

1982 war der Bedarf an Wasser 25L/sec aber nur 16L/Sec konnten gefördert werden. Also gab es Überlegungen einen Anschluss an Bad Aibling, der aber verworfen wurde. Es wurden zwei neue Brunnen gebohrt. Zur Entnahme wurden seitens der Behörde 200.000 Liter jährlich genehmigt. Die Gemeinde benötigte durch den starken Zuzug aber 280.000 Liter. So mussten 80.000 Liter von Bad Aibling zugekauft werden.

Nach wie vor kommt das Trinkwasser aus den Tiefbrunnen im Zellerwald nach Großkarolinenfeld.

Quelle: Heribert Greiner, Heimatpfleger der GemeindeGroßkarolinenfeld

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